Lipohypertrophie ist eine gummiartige Verhärtung des Unterhautfetts durch wiederholtes Spritzen in dieselbe Stelle. Keine medizinische Beratung.
Kernpunkte
- 01So fühlt sich Lipohypertrophie an. Ein gummiartiger, fester Knoten oder eine flächige Verdickung unter der Haut, manchmal mit eingesunkener Oberfläche. Sie ist meist schmerzlos und besser zu ertasten als zu sehen. Typisch ist sie an häufig genutzten Stellen wie demselben Punkt am Bauch oder Oberschenkel.
- 02Unterschied zum Bluterguss. Ein Bluterguss ist verfärbt (blau, grün, gelb), oberflächlich und klingt über ein bis zwei Wochen ab. Lipohypertrophie ist eine Veränderung des tieferen Fettgewebes, in der Regel hautfarben, fest tastbar und bleibt über Wochen bis Monate bestehen.
- 03Warum sie die Aufnahme stört. Vernarbtes, verhärtetes Fettgewebe ist schlechter durchblutet. Das Spritzen in eine solche Stelle führt laut Diabetes-Fachgesellschaften zu schwankender und oft verminderter Aufnahme des Wirkstoffs, was bei Insulin unvorhersehbare Blutzuckerwerte verursachen kann.
- 04Vorbeugen durch Wechsel der Einstichstelle. Wechseln Sie systematisch sowohl zwischen den Bereichen (Bauch, Oberschenkel) als auch innerhalb eines Bereichs. Setzen Sie jede Injektion mindestens 2 bis 3 cm von der letzten entfernt und nutzen Sie für jede Injektion eine neue Nadel.
- 05Wenn bereits Lipohypertrophie besteht. Spritzen Sie nicht mehr in die betroffene Stelle und wechseln Sie auf unverändertes Gewebe. Viele verhärtete Stellen bilden sich über Wochen bis Monate zurück, wenn sie konsequent ausgespart werden. Besprechen Sie mit Ihrer verordnenden Ärztin oder Ihrem verordnenden Arzt, ob die Dosis beim Wechsel auf gesundes Gewebe angepasst werden muss.
Checkliste vor der Injektion
- ✓Tasten Sie alle genutzten Einstichstellen einmal pro Woche mit flacher Hand ab, am besten im Liegen bei entspanntem Bauch.
- ✓Suchen Sie nach einer gummiartigen, leicht erhabenen oder eingesunkenen Stelle, die sich fester anfühlt als das umgebende Gewebe. Lipohypertrophie ist oft besser zu ertasten als zu sehen.
- ✓Vergleichen Sie eine verdächtige Stelle mit unbenutztem Gewebe auf der Gegenseite, um den Unterschied im Tastbefund zu erkennen.
- ✓Spritzen Sie nicht in eine verhärtete Stelle. Aus geschädigtem Gewebe wird das Medikament unzuverlässig aufgenommen.
- ✓Führen Sie ein einfaches Dosierprotokoll, damit der Wechsel über die Bereiche nach Plan und nicht aus dem Gedächtnis erfolgt.
Nach der Injektion
- Verwenden Sie bei jeder Injektion eine neue, sterile Nadel. Wiederverwendete, stumpfe Nadeln schädigen das Gewebe stärker und begünstigen Lipohypertrophie.
- Notieren Sie nach jeder Dosis Datum und genaue Stelle, damit der nächste Einstich auf frisches Gewebe trifft.
- Prüfen Sie genutzte Stellen regelmäßig durch Abtasten, nicht nur durch Ansehen.
Häufige Fehler
- Eine verhärtete Stelle, die warm, gerötet, druckschmerzhaft oder zunehmend geschwollen ist, mögliche Infektion statt Lipohypertrophie.
- Unerklärlich schwankende Blutzuckerwerte bei Insulin, ein Hinweis auf gestörte Aufnahme aus geschädigtem Gewebe.
- Eine neu aufgetretene oder schnell wachsende Verhärtung, die unklar bleibt, lassen Sie sie ärztlich beurteilen.
- Atembeschwerden, Schwellung von Gesicht, Rachen oder Zunge oder Nesselsucht, Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion.
Häufige Fragen
Was ist Lipohypertrophie?+
Lipohypertrophie ist eine gummiartige Verdickung des Unterhautfettgewebes, die durch wiederholte Injektionen in dieselbe Stelle und durch die Wiederverwendung von Nadeln entsteht. Sie ist meist schmerzlos, fest tastbar und kann die Aufnahme von Insulin oder GLP-1-Medikamenten unzuverlässig machen.
Wie unterscheide ich Lipohypertrophie von einem Bluterguss?+
Ein Bluterguss ist verfärbt und oberflächlich und verschwindet binnen ein bis zwei Wochen. Lipohypertrophie ist eine feste, hautfarbene Verhärtung im tieferen Fettgewebe, die über Wochen bis Monate bestehen bleibt und oft besser zu ertasten als zu sehen ist. Siehe auch unseren Beitrag zum Bluterguss nach der Spritze.
Bildet sich Lipohypertrophie wieder zurück?+
Häufig ja. Wenn die betroffene Stelle konsequent ausgespart wird, bildet sich verhärtetes Gewebe oft über mehrere Wochen bis Monate zurück. Wichtig ist, dort nicht weiter zu spritzen und systematisch zu wechseln.
Wie beuge ich Lipohypertrophie vor?+
Wechseln Sie die Einstichstelle systematisch zwischen und innerhalb der Bereiche, halten Sie mindestens 2 bis 3 cm Abstand zur letzten Injektion und verwenden Sie für jede Injektion eine neue Nadel. Siehe unseren Beitrag zum Wechsel der Einstichstellen für ein beschriftetes Schema.
Kann ich in eine verhärtete Stelle spritzen, wenn es nicht wehtut?+
Nein. Aus lipohypertrophem Gewebe wird der Wirkstoff unzuverlässig aufgenommen, was besonders bei Insulin zu schwankenden Werten führt. Sparen Sie die Stelle aus und wechseln Sie auf unverändertes Gewebe. Sprechen Sie über eine mögliche Dosisanpassung mit Ihrer verordnenden Ärztin oder Ihrem verordnenden Arzt.
Quellen
- Frid AH et al. 2016. New Insulin Delivery Recommendations. Mayo Clinic Proceedings 91(9):1231-1255.
- Forum for Injection Technique (FIT). The UK Injection and Infusion Technique Recommendations.
- Gentile S et al. 2016. Lipohypertrophy and insulin: an update. Diabetes Therapy.
- American Diabetes Association. Standards of Care, insulin injection technique.
